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EIN HAUS MIT LANGER GESCHICHTE

Die bevorzugte Lage des Gasthauses Stroh im Buchholzer Ortszentrum kommt nicht von ungefähr: Nahe Gotteshäusern fand und findet man seit alters her Gasthäuser, ganz so, wie das beim weithin bekannten und renommierten Gasthaus Stroh der Fall ist.

Die Errichtung von Gasthäusern oder gar Gasthöfen nahe Gotteshäusern entsprach den Bedürfnissen der Gläubigen schon vor vielen Jahrhunderten. Das hatte kommerzielle wie auch religiöse Gründe. Belege für diese Behauptung bieten uns für den hiesigen Raum verschiedene Niederschriften, allen voran die unten abgebildete Niederschrift einer durch die Kurkölner Obrigkeit angeordneten Bürgerversammlung mit gleichzeitiger Bürgerbefragung.

Das Protokoll dieser Versammlung, „Altenwieder Kirchspiels Achte von 1545“ genannt, ist die Zusammenfassung altüberkommener Regeln, Sitten und Gebräuche die von Volk und Obrigkeit zu „Be-Achte-n“ waren.

Gleichlautend ist auch der für Gasthäuser nahe Gotteshäusern wichtige Artikel 22, der letzte Artikel in den drei überkommenen Achten, er lautet: 

„Ein Wirth beÿ der Kirchen soll allezeit Wein haben, deß mag er auch 
2 Heller jeder Maß teurer verzapffen alß andere Wirth.“

Dieses war ein eindeutiger Wunsch der Bürger, durch welchen auch die Landesherren und Kurfürsten angemessen mitverdienten.

Beim Buchholzer Gotteshaus, nahe der Heilig-Kreuz-Kapelle und später der Pfarrkirche St. Pantaleon, gab es zeitweise fünf Gasthäuser gleichzeitig. Schaute man, mit der Heilig-Kreuz-Kapelle im Rücken, auf die Einmündung der Asbacher Straße, auch „Pänzjass“ genannt, in die Hauptstraße, lag rechts in der Asbacher Straße der Gasthof Ellingen, der später in den Besitz des zweiten Buchholzer Lehrers Apollinaris Hallerbach überging und links, ihm gegenüber, lag der Gasthof des Gottfried Schmitz, der 1871 von Jacob Melzer erworben und von ihm und seinen Nachkommen als Gasthof zur Post weitergeführt wurde. Zwischen dem Gasthof zur Post und dem Gasthof Stroh baute ein Wilhelm Broich, verehelicht mit Magdalena Ellingen, nach 1815 ein Gasthaus, das später zum Gasthaus Gottfried Schmitz und danach zum Gasthaus Karl Wallau wurde, ehe dort ein Wohnhaus mit Sparkassenfiliale das Gasthaus ablöste.

Etwas weiter von der Kirche in Richtung Eudenbach hin gelegen wurde an der Buchholzer Hauptstraße/Ecke Höllchen von Johann Limbach und Gattin ein Gasthaus Anfang des 20. Jh. errichtet. Infolge Eheschließungen wurde es später zum Gasthaus Lichius, danach zum Gasthaus Höhner und ist zurzeit das Gasthaus Höfer. 

Gegenüber dem Gasthaus Stroh baute der aus Oberpleis stammende Holzkaufmann Johann Mathias Hugoth nebst einigen Mitbesitzern 1913 das Gasthaus Hugoth mit angegliederter Holzhandlung. In späteren Jahren wurde das Gebäude in ein Geschäftshaus umgewandelt, ehe es nur noch als Wohnhaus genutzt wurde. Das komplette Anwesen wurde von der Gemeinde Buchholz aufgekauft und das Altgebäude abgerissen. Hier entstand im Anschluss das Heimathaus Buchholz mit angegliedertem Dorfplatz, nachdem eine Straßenumlegung eines Teiles der Kirchstraße zum zweiten Male vollzogen wurde.

1815, nach der endgültigen Niederlage und der Verbannung Napoleons, wurde das Rheinland dem Königreich Preußen angegliedert. Die unter Finanznot leidenden Preußen erhoben sofort in ihren neuen Besitzungen Steuern, um die dortigen Staatsausgaben begleichen zu können. Erste Steuerlisten stellten preußische Finanzbeamte nach den Altunterlagen der vorherigen Landesherren der Rheinlande zusammen. Aus einer dieser frühen Listen geht anhand der Grundstücksnummer hervor, dass sich der heutige Gasthof Stroh im Besitz eines Johann Irlenborn befand. Dies ist die erste darzeit nachweisbare Nennung des Gasthauses in öffentlichen Unterlagen.

Die Nachkommen des Johann Irlenborn veräußerten diesen Besitz, der ursprünglich den Familien Limbach und Ditscheid zugeschrieben wurde, und das schon seit der Mitte des 16. Jh., in den Jahren 1862 bis 1865 an das Ehepaar Carl Anton Ellingen und Anna Elisabeth Dümpelfeld. Deren älteste Tochter Catharina Ellingen verehelichte sich am 1. Juli 1871 mit Peter Joseph Stroh und brachte die Hälfte des ursprünglichen Grundstückes mit aufstehendem Gasthaus in ihre Ehe ein. Das aufstehende Gasthaus hatte Carl Anton Ellingen im Jahre 1865 neu erbaut.

Seit 1871 wird das Gasthaus in Chroniken verschiedenster Art als Gasthof Stroh bezeichnet, seien es Schul-, Vereins-, Orts- oder Pfarrchroniken. Unter den Besitzern Peter Joseph Stroh, dessen Sohn Joseph Stroh und dessen Sohn Georg Stroh und ihren Ehefrauen entwickelte sich die Gastronomie Stroh zu einem Qualitätsbegriff. 

Mit Georg Stroh erlosch diese Familie Stroh im männlichen Stamm im Jahre 1987. Seine Frau Maria Stroh, geb. Schmitz, und später seine Tochter Hildegard Stroh nebst ihrem Ehemann Joseph Klomp führten das Unternehmen im Sinne der Vorfahren bis Ende 2017 weiter. Seit dem führt die Tochter Anja Kolvenbach, geb. Klomp zusammen mit ihrem Ehemann Martin Kolvenbach den Betrieb.

Möge Buchholz und möge den Freunden gepflegter Gastlichkeit das Haus in alle Zukunft erhalten bleiben!